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»Die @-Bombe – Killer-Viren attackieren die Computer-Welt« Von ![]() Tomorrow vs. DER SPIEGEL: wer macht mehr Fehler? |
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Komplexe Themen erfordern komplexe Recherchen |
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[1] in: ![]() ![]() [2] Internet-Verantwortung an Schulen, ![]() |
![]() Dinah Deckstein, Manfred Dworschak, Klaus-Peter Kerbusk, Georg Mascolo, Mathias Müller von Blumencron, Andreas Ulrich: ![]() Nur 13% der Lehrer fühlen sich sicher im Internet, behauptet die Bertelsmann Stiftung in ihrem ![]() ![]() |
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In eine ähnliche Kerbe schlägt die eingangs erwähnte Titelgeschichte des Nachrichtenmagazins ![]() ![]() ![]() |
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Leider ist es beim großen deutschen Nachrichtenmagazin – das besonders stolz ist auf seine Dokumentations- und Recherche-Abteilung – eine alte Tradition, über Computer und Internet mit einem sprachlich sauberen Halbwissen zu fabulieren. Die »@-Bombe« schießt aber den Vogel ab: 18 Seiten voller Fehler, Ungereimtheiten und falscher Angstmacherei.
Dieser Artikel wurde von angesehenen Journalisten in einem angesehenen Magazin veröffentlich, die einzelnen Teil-Sätze für sich fast fehlerfrei sind, letztendlich entsteht jedoch eine Gemengelage aus gefährlichem Unsinn. »Ansteckende Viren« werden da von bösen »Hackern« ebenso freigesetzt wie »monströse Würmer« und »Dämonen oder Trojanische Pferde« kommandiert. Die »weltweiten Angriffe kommen aus dem Hinterhalt, haben die Wucht von Bomberladungen und sind für die Opfer verheerend«. Computerviren werden wie Lebewesen beschrieben anstatt sie als (oftmals simple) Programme zu entmystifizieren. Und dabei hilft eine ganz normale ![]() |
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Da wundert es nicht weiter, dass selbst der Begriff »Hacker« falsch verwendet wird. | ||||||||||||||
[3] RFCs: ![]() |
![]() Werner Koch, zitiert nach ![]() ![]() ![]() ![]() |
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Eine ![]()
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[4] Das ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() [5] Zum Vergleich: als Quellenangabe für den kritisierten Artikel reicht ![]() |
Drei an sich korrekte Aussagen, nur werden hier Äpfel mit Birnen verglichen: die Monokultur der Arbeitsplatz-Rechner wird damit in Verbindung gebracht, dass die Anzahl der Angriffe auf Server gestiegen ist. Es ist davon auszugehen, dass die Autoren die aufgeführten Zahlen des ![]() Nebenbei: Wie üblich wird als Quelle für die Infografik nur der Computername »www.cert.org« angegeben, ein Computername wie auch »student.merz-akademie.de« – nur wo auf diesem Computer lässt sich die gesuchte Information finden? Tatsächlich ist ein Teil der Daten unter der Adresse ![]() |
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Expertenmeinung zur Virengefahr |
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Wie gefährlich sind nun all diese Angriffe und Viren. Die Autoren befragten Karl Altmann, den Deutschland-Chef der amerikanischen Anti-Viren-Firma ![]() Hat Herr Altmann vielleicht auch die folgende Angabe gemacht? |
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Woher die Spiegel-Redakteure diese Zahlen haben erwähnen sie jedenfalls nicht. | ||||||||||||||
Der Zwang des Visuellen |
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![]() aus ![]() ![]() ![]() ![]() ![]() |
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[6] vgl. obige Erklärung von »Hacker« |
Wie haben die Redakteure sich das denn vorgestellt? Was sieht man mit einem überwachungsprogramm, wenn man alle Tastatureingaben sieht? Selbstverständlich kommen auch ohne Back Orifice bei der Bank keine Sternchen an. Auch wenn bei der Eingabe einer PIN-Nummer nur Sternchen sichtbar sind, werden die Daten übertragen, die eben vom »Bankkunden« eingegeben werden. Wichtiger als das, was auf dem Bildschirm sichtbar abläuft, sind die unsichtbaren Vorgänge, die im Computer ablaufen. Der Artikel macht sich jedoch keine Mühe, hier Aufklärungs-Arbeit zu leisten, sondern wirft mit Metaphern und albernen Bildschirmfotos um sich.
Das wird nur noch von dem unsäglichen Versuch übertroffen, abstrakten Vorgängen sogar ein Gesicht zu geben: Ein Gruppenfoto der Hackergruppe[6] ![]() ![]() ![]() Die Bilder sind in der Print-Ausgabe beschriftet z.B. mit »ANXIETY Verwandelt den Mauszeiger in eine Spritze, bis schließlich der Rechner abstürzt«. – Der Rechner stürzt also ab, weil der Mauszeiger zur (abgebildeten) Spritze wird? |
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Wonach sollen Spiegel-Leser nun Ausschau halten, wenn sie sich vor Viren schützen wollen? Nach diesen Bildern etwa? Letztendlich wird mit solchen Visualisierungen nur noch mehr Verwirrung gestiftet.
Von »Mausklicksabotage«, »Massenepidemien« und »Mikroorganismen« ist die Rede. Computerviren werden abgebildet: niedliche kleine Monsterchen sind das, die im Computer leben. |
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![]() Rainer Link: ![]() |
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[7] Jürgen Schmidt: ![]() |
Sinnvoller wäre es, eine relevante Darstellung des ILOVEYOU-Virus abzubilden: So wie er in der E-Mail angezeigt wird, wenn sie beim Empfänger ankommt. Dann ist es noch lange nicht zu spät, denn es handelt sich um ein in Visual Basic geschriebenes Programm (keine 300 Zeilen lang), das vom Benutzer manuell gestartet werden muss.
Es wäre ein Leichtes für den Spiegel gewesen, den Unterschied zwischen Daten und Programmen zu erklären: Beide werden mit einem Doppelklick auf ihre Symbol-Repräsentation »geöffnet«. Während Daten durch diese Aktion lediglich geladen werden, um sie anzuzeigen oder zu verändern, wird ein Programm – eine Liste von Computerbefehlen – gestartet und kann beliebige Aktionen auslösen. Ebenso einfach wäre es gewesen, zu erwähnen, dass schlecht konzipierte Microsoft-Programme wie Word, Excel und Outlook die Trennung von Daten und Programmen verwischen. In einem Text-Dokument des Programmes Word oder einer Excel-Tabelle können auch Programme enthalten sein. Das ist jedoch kein Grund zur Panikmache. Gegen so ziemlich jede vom Spiegel beschriebene Gefahr kann man sich schützen, in erster Linie durch das Wissen um die Vorgänge. Ein Beispiel für eine korrekte und verständliche Aufklärung ist der Artikel ![]() ![]() |
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Aber Aufklärung macht Arbeit, denn vorher muss der Journalist die Zusammenhänge erst einmal selbst verstehen. Einfacher ist es, auf die bösen »Hacker« zu schimpfen anstatt den Lesern zu helfen. Es wird nach einer Internet-Polizei gerufen, welche die Menschheit vor Killer-Viren und der Beschäftigung mit den einfachsten Grundlagen der Informationstechnologie bewahren soll. | ||||||||||||||
Reine Glückssache |
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[8] ![]() |
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[9] Siehe z.B. Andreas Koke: ![]() ![]() ![]() [10] Aber möglicherweise weht nun ein anderer Wind: Der Artikel » ![]() ![]() ![]() ![]() |
Doch nur wenigen Journalisten scheint bewusst, was sie überhaupt schreiben: reines Glück, wenn es fundierte Hintergrundinformationen und Erklärungen von Sachverhalten sind: ![]() ![]() Tatsächlich lassen sich die kritischen Teile von ActiveX über Menüs deaktivieren; der SPIEGEL hätte das erklären und sogar die Empfehlung aussprechen können, einen anderen Webbrowser als den Internet-Explorer zu verwenden. Wäre das zu viel verlangt gewesen?
![]() Olaf Boos in einer ![]() ![]() Mit-Autor der »@-Bombe« Mathias Müller von Blumencron ist seit 1. Dezember 2000 übrigens Chefredakteur von ![]() ![]() |
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Wie Journalisten das Internet nutzen |
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[11] Wolfgang Lünenbürger-Reidenbach, Jens Petersen, Thomas Wagensonner: media studie 2000, Journalisten online; Hamburg, Oktober 2000 |
Alleine sind die SPIEGEL-Journalisten nicht: Die Media Studie 2000 ![]() ![]() ![]() ![]() Das fängt schon bei der Erfahrung mit dem Medium an. Nur 43% der befragten Journalisten gaben an, bereits länger als 2 Jahre »Online-Medien« zu nutzen. Was wird jedoch unter »nutzen« verstanden? |
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[12] siehe Seite 25 der Studie |
Beispielsweise gaben auf die Frage »Welche Vorteile von E-Mail sind für Journalisten besonders wichtig?« 81% der Befragten das Verschicken und Erhalten von Informationen als E-Mail-Anhang an. Auf Platz 2 der Beliebheitsskala steht mit 71% die Kommunikation mit der eigenen Redaktion und auf Platz 3 mit 56% der Empfang von Pressemitteilungen. Die Option, E-Mail für beispielsweise Interviews einzusetzen war scheinbar nicht als Antwort vorgesehen. Lediglich 31% der Befragten können sich selbständig in Verteilierlisten ein- und austragen, gerade einmal 14% gehen mit Hyperlinks in E-Mail-Nachrichten um.[12] | |||||||||||||
[13] Genaue Erklärung über NewsGroups: ![]() [14] Siehe Seite 23 der Studie |
Auf die Frage »Wie wichtig sind bestimmte Websites für die tägliche Arbeit von Journalisten« antworteten nur 17% mit »Newsgroups«. Doch bereits in der Frage wird klar, dass damit keinesfalls die wirklichen Newsgroups des Usenet[13] gemeint sind, sondern Web-Foren. Selbst wenn Journalisten außer dem Web und E-Mail weitere Internet-Dienste kennen sollten, die Profis von der dpa und forsa tun es scheinbar nicht.[14] | |||||||||||||
[15] Siehe Seite 20 der Studie |
Zu »Welche Schwächen des Internets sind für Journalisten ein Problem?« gaben 42% der Befragten »die Glaubwürdigkeit der gefundenen Informationen« an.[15] Auf Seite 11 steht als Punkt 6 zur »Bedeutung der Ergebnisse«: | |||||||||||||
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Seite 19 verrät:
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[16] CopyPaste beschreibt ein einfaches System, mit dem Inhalte zwischen verschiedenen Programmen oder innerhalb eines Programms dupliziert (copy) und an anderer Stelle wieder eingesetzt (paste) werden können. In Windows funktioniert das üblicherweise über die Tastenkombination Strg+C und Strg+V und wird von kleinen Textschnipseln wie E-Mail-Adressen bishin zu Bildern, Geräuschen, Romanen etc ... verwendet |
Dies legt die Vermutung nahe, dass das Netz größtenteils als CopyPaste-Quelle[16] verstanden wird, aus dem man Texte für eigene Artikel bequem kopieren kann. Grafiken und Bilder aus dem Netz sind meistens nutzlos, da sie entweder für den Druck zu niedrig aufgelöst oder gestalterisch auf eine andere Publikation abgestimmt sind.
Hyperlinks und Kommunikation gehören zu den grundlegenden Eigenschaften des Netzes. Wer solche Gebiete nicht als wichtig ansieht, ist kaum qualifiziert, über dieses Medium zu berichten. Wenn sich Journalisten nicht mit Hyperlinks auskennen, führt das häufig zu bizarren Auswüchsen. Stellvertretend sei hier aus dem ![]() ![]() |
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Ein Hyperlink auf diese angebliche Webseite für Kinder mit verstecktem Hass und Rassismus ist jedoch nicht angegeben. Hier wurde entweder ohne Überprüfung eine der üblichen Hype-Meldungen übernommen oder der Artikel stammt von einem Journalisten, der es nicht für notwendig hält, der Leserschaft selbst die Möglichkeit zu geben, sich ein Bild von der Situation zu machen. Der Artikel wirkt dadurch äußerst unglaubwürdig. Und diese ist auch aus Sicht der Journalisten ein Problem: | ||||||||||||||
![]() Siehe Seite 7 der Studie |
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Das Problem der zweifelhaften Authenzität von Informationen löst sich natürlich nicht von selbst. So neu und aufregend das Netz auch ist, es befreit keinen Journalisten von der Recherche-Arbeit, beispielsweise durch Überprüfung der Informationen durch Nachgehen von Hyperlinks, Inspektion der Situation vor Ort oder der Befragung von involvierten Personen. | ||||||||||||||
»Üppig und unterhaltend« |
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Von solchen Praktiken hat sicherlich auch Willi Loderhose noch nie etwas gehalten: | ||||||||||||||
![]() Geballte Kompetenz: Willi Loderhose, Chefredakteur bei ![]() |
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![]() Willy Loderhose, Interview in ![]() ![]() |
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[17] Siehe z.B. » ![]() [18] vgl. Giesbert Damaschke: ![]() [19] Alle Erklärungs-Links aus dem ![]() ![]() |
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[20] vgl. Alvar Freude, ![]() |
Der Suchmaschinen-Test der Mai-Ausgabe 2000 führt zu nachweisbar vollkommen falschen Ergebnissen: Tomorrow war auf der Suche nach der »besten Deutschen Suchmaschine« und glaubte, sie gefunden zu haben: ![]() ![]() |
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Tomorrow zeigt immer wieder eindrucksvoll, wie wenig man vom Internet verstehen muss, um darüber zu berichten. Die Leser sind scheinbar zufrieden. | ||||||||||||||
![]() Sokrates, zitiert nach ![]() |
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Verantwortung von Journalisten |
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Journalisten sind Meinungsmacher, sie bestimmen zu einem nicht unwesentlichen Teil die öffentliche Diskussion. Dies umso mehr bei Themen, die nicht zum Standardwissen der Öffentlichkeit gehören: Noch immer nutzt nur ein verhältnismäßig kleiner Teil der Deutschen das Internet. Nur ein Bruchteil von ihnen beherrscht und versteht das Medium – schließlich wurden die meisten durch die Werbefeldzüge von ![]() ![]() ![]() Ziel sollte es sein, zu einer sachlichen Berichterstattung über das zugegebenermaßen noch sehr junge Medium Internet zu kommen. Politische Entscheidungen über die Zukunft des Internets sollten nicht aus emotional überladenen Diskussionen um Killer-Viren, Nazis oder Kinderpornos heraus getroffen werden. Siehe dazu ![]() Sich ein bißchen mit dem Netz auszukennen ist kein Hexenwerk, Startpunkte für Recherchen zum Thema Internet sind unter ![]() |
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